provoware - think different
Weiter wie bisher, ist keine Option!
000000000085

Operation Sea-Spray (Experimente am eigenen Volk 1977)

         US-Army: Ein Kodex für die Welt und Keime fürs Volk                     

             20. Dezember 2015                     Florian Osrainik
                

Operation Sea-Spray war einer der größten Menschenversuche

Haben Sie schon Mal vom Nürnberger Kodex gehört? Anlass für den Ärztekodex von 1947 waren Verbrechen, insbesondere Menschenversuche, im Namen der medizinischen Forschung im Dritten Reich. Am 9. Dezember 1946 begann der Nürnberger Ärzteprozess - im Rahmen der Nürnberger Prozesse von 1945 bis 1949 - gegen KZ-Ärzte.

Offiziell wurde der Fall als "Vereinigte Staaten vs. Karl Brandt et al." bezeichnet. Nazi-Arzt Brandt war der ranghöchste Angeklagte. Im Prozess erkannten die Richter das grundsätzlich moralische Problem von Versuchen am Menschen an. Es entstand ein zehn Punkte umfassender Verhaltenskodex, eine ethische Richtlinie für die Durchführung von Experimenten am Menschen.

Im Grundsatz fordert der Kodex die freiwillige Zustimmung der Versuchspersonen und untersagt Tests die zum Tod oder zu dauerhaften Schäden führen können. Seit der Urteilsverkündung von 1947 gehört der Nürnberger Kodex zu den ethischen Grundsätzen in der Ausbildung von Medizinern - er sollte es jedenfalls!

Operation Sea-Spray

Nur wenige Jahre später brach die US-Führung jenen Kodex. Am 9. März 1977 schrieb George C. Wilson in der Washington Post, dass die US-Army 239 geheime Experimente zur biologischen Kriegsführung an der eigenen Bevölkerung durchgeführt hat.

Zweck war es, Erkenntnisse in der Anwendung von biologischen Kampstoffen sowie in der Verteidigung dagegen zu gewinnen. Die Gesundheit der Bevölkerung wurde weder in den Planungen berücksichtigt, noch in den Dokumenten der US-Army erwähnt. Bei den Experimenten wurden in acht amerikanischen Städten, unter anderem in New York, Washington und San Francisco sowie auf mehreren US-Militärbasen, wie in Fort Detrick, verschiedene Bakterien in Freiluftversuchen an Zivilisten und Armeeangehörigen getestet - ohne deren Wissen.

In Washington begannen die Experimente 1949 an nicht genannten Orten und wurden 1965 am Flughafen und dem "Greyhound bus terminal" fortgeführt. In New York wurden Keime im U-Bahn-System ausgesetzt und im September 1950 versprühte die US-Navy die Erreger Bacillus globigii und Serratia marcescens in sechs simulierten Attacken rund eine Woche lang aus riesigen Schläuchen von Schiffen vor der Küste von San Francisco. Durch die Tests bildeten sich bis zu zwei Meilen lange Wolken, dabei wurden sämtliche Parameter dokumentiert, nur das Wohlergehen der Bewohner wurde übergangen.

Es war einer der größten Menschenversuche und Angriffe auf den Nürnberger Kodex in der Geschichte, wie Rebecca Kreston im Discover Magazin schreibt. Das Bakterium vermischte sich mit dem Dunst der Stadt und wurde später in mehreren anliegenden Gemeinden von der Navy nachgewiesen. Man schätzte, dass alleine in San Francisco rund 800.000 Einwohner die Keime während der Testphase inhalierten. In seinem Artikel schreibt Wilson, dass die Army 27 Versuche mit simuliertem Gift in der Öffentlichkeit, darunter auch im Tunnelsystem der Autobahn von Pennsylvania, durchführte. Kurz vor Erscheinen des Artikels in der Washington Post gab die US-Army in einem teilweise zensierten Report an den Gesundheitsausschuss des Senats an, in geheimen Operationen von 1949 bis 1969 angeblich harmlose Bakterien in Freiluftversuchen an Menschen getestet zu haben. Obwohl Präsident Richard Nixon den Gebrauch biologischer Waffen leugnete, geht der Report der US-Army auf die Geschichte des US-Programms zur biologischen Kriegsführung ab 1942 ein, wie Wilson schreibt.

quelle:

https://www.heise.de/tp/features/US-Army-Ein-Kodex-fuer-die-Welt-und-Keime-fuers-Volk-3376945.html